Winter

Nach etlichen Monaten der dicken Mäntel und roten Nasen ist der Wunsch nach der Frühlingssonne unermesslich. Mit Freude würde man den kratzigen Wollschal in die hinterste Ecke des Schrankes verbannen. Aber die warmen Monate des Jahres lassen auf sich warten.

Der Winter war dieses Jahr sehr fleißig. Er hat nicht nur für eine weiße Weihnacht gesorgt, sondern auch viele Kinderherzen erfreut. Schneemänner winkten einem von allen Straßenecken zu, etliche Schneeballschlachten wurden ausgetragen und Schlitten fuhren um die Wette. Das reine Weiß des Schnees bedeckte Bäume und Hügel und formte bezaubernde Landschaften. Doch je länger der Winter andauerte, desto größer wurde der Bedarf nach Wärme. Der Schnee, der sich in Massen über das Gras gelegt hatte, wich zögerlich vor den ersten Sonnenstrahlen zurück. Die Kälte und der graue Himmel hingegen waren nicht so leicht zu vertreiben. Hartnäckig sorgen sie für schlecht gelaunte Gesichter. Der Weg zur Arbeit wird zur Tortour. Das leise Geräusch der voll aufgedrehten Heizung erscheint schon fast wie ein Tinnitus und kein Pullover ist dick genug für die unerfreulichen Nachfolgen des Winters.

Die bunten Werbeprospekte, die jeden Tag ins Haus geliefert werden, fangen an immer attraktiver zu werden. Im Gegensatz zum kalten Wind und ungemütlichen Regenschauern berichten sie vom blauen Meer und wolkenlosen Himmeln. In farbenfrohen Bildern laden sie zu Lastminute Angeboten ins heiße Ägypten ein oder per Lastminute nach Fuerteventura. Die Hoffnung auf Besserung des Wetterzustandes hindern zunächst viele daran, die Chance zu ergreifen und zu ihren Koffern zu stürzen. Das Grau wird zum Alltag, die Nässe zur Normalität. Im Endeffekt gibt man jedoch der Verlockung der bunten Urlaubsangebote nach und steigt in den Flieger. Schließlich liegt man mit einem fruchtigen Cocktail in der prallen Sonne und spürt, wie die Kälte aus den Knochen verschwindet. Jetzt ist man sich sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben.